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Fußball
[20.05.2009]
Der in Eupen lebende Däne erinnert sich an die Entscheidungsspiele 1986 gegen Brügge

Andersen: »Als Profi ist man den Druck gewöhnt«

Erinnerungsfoto aus dem Jahr 1986: Henrik Andersen (am Ball) in Aktion bei den Entscheidungsspielen gegen den FC Brügge. »Ich kann mich vor allem an das Rückspiel erinnern, wo wir schon mit 0:2 hinten lagen und durch einen Platzverweis geschwächt wurden«, so Andersen.
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Henrik Andersen (ganz rechts) im Trikot des RSC Anderlecht, für den der heute 44-jährige Däne acht Jahre lang spielte: »Wir waren damals ziemlich erfolgsverwöhnt.«
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Von Boris Cremer

Entscheidungsspiele um den Meistertitel: Das hat es in Belgien zuletzt 1986 gegeben. Gegner waren damals Club Brügge und der RSC Anderlecht, in dessen Reihen der heute in Eupen lebende Henrik Andersen spielte. Er durfte seinerzeit, nach einer unerwarteten Anderlechter Aufholjagd im Rückspiel, jubeln.

»Es ist schon lange her. Ich kann mich vor allem an das Rückspiel erinnern, wo wir schon mit 0:2 hinten lagen und durch einen Platzverweis geschwächt wurden«, so Andersen. »Vandereycken und Demol machten in der letzten halben Stunde noch zwei Tore, und wir waren Meister.«

Er habe aber diesen auf den letzten Drücker erhaschten Titel nicht anders oder besser in Erinnerung als die beiden anderen Meisterschaften, die er in seinen acht Jahren beim RSC Anderlecht feierte. »Wir waren damals ziemlich erfolgsverwöhnt. Neben den drei Meistertiteln habe ich mit Anderlecht auch zwei Mal den Landespokal (1988 und 1989, A.d.R.) und ein Mal den UEFA-Pokal (1983) gewonnen.«

Vor den beiden Entscheidungsspielen gegen Club Brügge sei die Anspannung nicht besonders hoch gewesen. »Als Profi ist man es ja gewöhnt, in jedem Spiel, vor allem wenn es um alles oder nichts geht, seine beste Leistung abzurufen. Dieser Druck ist nicht ungewohnt.« Zudem sei der belgische Fußball damals eher mit solchen Situationen vertraut gewesen. Anderlecht spielte Jahr für Jahr auf europäischem Spitzenniveau, stand alleine in den 80er Jahren in drei Europapokal-Endspielen. »Das war natürlich eine ganz andere Zeit. Heute wäre so etwas nicht mehr denkbar.«

WM in Mexiko

Dass Andersen an die beiden Entscheidungsspiele gegen »Blauw en Zwart« (1:1 in Brügge, 2:2 in Anderlecht) nicht mehr ganz genaue Erinnerungen hat, liegt u.a. daran, dass für ihn - genauso wie für die belgischen Nationalspieler in den Reihen des RSC Anderlecht - gleich im Anschluss die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko begann, an der Andersen als 21-Jähriger teilnahm.

»Die Leistungen von Standard im UEFA-Pokal gegen Liverpool und Everton waren schon beeindruckend. Aber die Mannschaft, die am Ende einer solchen Saison den Titel holt, hat ihn auch verdient.«
Henrik Andersen

Dass bei Punktgleichheit und gleicher Anzahl Siege in Belgien Entscheidungsspiele ausgetragen werden, findet auch Andersen sonderbar. »Das ist schon ungewöhnlich - wie so vieles im belgischen Fußball. Als Spielervermittler muss ich beispielsweise vier verschiedene Lizenzen besitzen, um in Belgien tätig sein zu dürfen.«

Grundsätzlich aber habe er gegen Entscheidungsspiele nichts einzuwenden: »Für die Zuschauer ist das natürlich eine tolle und spannende Sache, und es ist nicht ungerechter als andere Kriterien.«

Standard müde

In dieser Saison hat in den Augen des dänischen Ex-Nationalspielers, der seit seiner Profi-Station beim 1. FC Köln (1990-1998) in Eupen wohnt, Standard den schöneren Fußball gespielt. »Die Leistungen im UEFA-Pokal gegen Liverpool und Everton waren schon beeindruckend. Aber die Mannschaft, die am Ende einer solchen Saison den Titel holt, hat ihn auch verdient.« Standard habe auf ihn zuletzt einen müden Eindruck gemacht. »Gegen Gent haben sie nicht gut gespielt.« Emotional fühlt sich Andersen, Europameister von 1992, immer noch Anderlecht verbunden, auch wenn die Kontakte im Laufe der Jahre abgerissen sind. »Die Leute von damals sind heute nicht mehr da, und ich war vor drei Jahren zum letzten Mal im Anderlechter Stadion.«



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